Wenn in der Longevity‑Szene von prägenden Vordenkern die Rede ist, fällt der Name Nir Barzilai fast zwangsläufig. Nir Barzilai ist Endokrinologe, Genetiker, Buchautor – und einer der beharrlichsten Brückenbauer zwischen Laborresultaten und alltagsnahen Strategien für längere Gesundheitsspanne.
Sein Team am Albert Einstein College of Medicine in New York identifiziert seit Jahrzehnten genetische Schutzfaktoren bei Hundertjährigen und plant mit der TAME Initiative („Targeting Aging with Metformin“) die wohl einflussreichste Studie, um das Altern selbst mit einem vorhandenen Medikament anzugehen. Wer verstehen will, was heute seriös über gesundes Langleben gesagt werden kann, kommt an Nir Barzilai nicht vorbei.
Inhaltsübersicht
Warum Nir Barzilai die Longevity‑Gemeinde bewegt
- Er verbindet Grundlagenforschung (Genetik von Hundertjährigen) mit klinischer Pragmatik (Repurposing etablierter, sicherer Medikamente wie Metformin).
- Er arbeitet am regulatorischen „Gamechanger“: Wenn TAME gelingt, könnten Arzneimittelbehörden Altern als behandelbare Zielgröße anerkennen – ein Dammbruch für weitere Gerotherapeutika (= Medikamente gegen das Altern).
- Er kommuniziert verständlich, ohne zu vereinfachen, und zieht klare Linien zwischen Hoffnung und Hype. Das macht Nir Barzilai zu einer unverzichtbaren Stimme – gerade für Menschen ab 40, die heute kluge, risikoarme Entscheidungen treffen wollen.
Kurzporträt: Lebenslauf, Institute, Rollen
Nir Barzilai wurde 1955 in Haifa geboren, studierte Medizin am Technion und wechselte nach Stationen in Israel, Großbritannien und an der Yale University in die USA. Seit den 1990er‑Jahren wirkt Nir Barzilai am Albert Einstein College of Medicine (Bronx, NY), heute als Direktor des Institute for Aging Research sowie als Professor für Medizin (Endokrinologie) und Genetik.
Nir Barzilai hält den Ingeborg and Ira Leon Rennert Chair in Aging Research, leitet das Paul F. Glenn Center for the Biology of Human Aging und ist in der NIH‑geförderten Nathan‑Shock‑Center‑Struktur verankert. Zusätzlich wirkt Nir Barzilai als wissenschaftlicher Direktor bei AFAR (American Federation for Aging Research).
Seine Forschung in einem Satz
Das Leitmotiv von Nir Barzilai: Nicht nur Krankheiten einzeln therapieren, sondern die zugrunde liegenden Mechanismen des Alterns adressieren – idealerweise mit Interventionen, die mehrere altersassoziierte Risiken zugleich verschieben. Genau hier setzt seine Arbeit an besonders langlebigen Menschen, an Biomarkern des Alterns und an Metformin an.
Die genetische Spur – leicht erklärt: Was Hundertjährige verraten
Ein Schwerpunkt von Nir Barzilai ist die Untersuchung von Menschen, die besonders alt werden – oft 100 Jahre und älter – und dabei lange erstaunlich gesund bleiben. Dafür sammelt Nir Barzilai mit seinem Team Gesundheitsdaten und Blutproben von Hundertjährigen und deren Kindern. Die Idee dahinter ist einfach: Wenn bestimmte Familien ungewöhnlich oft gesund sehr alt werden, dann tragen sie womöglich „Schutzfaktoren“ in sich, die auch uns Hinweise geben, wo sich mit Lebensstil oder Medikamenten ansetzen lässt.
Aus diesen Arbeiten stammen einige vielzitierte Beobachtungen – hier ohne Fachchinesisch:
- „Leiseres Wachstumssignal“: Zellen bekommen über einen Botenstoff namens IGF‑1 das Signal „wachsen“. Im hohen Alter ist weniger Wachstumsdruck oft besser. Bei einigen sehr alten Frauen fand man kleine Veränderungen an der „Antenne“ für dieses Signal (dem IGF‑1‑Rezeptor). Diese Veränderungen dämpfen das Wachstumssignal – sinngemäß ist die Wachstumstaste im Alter etwas „leiser gestellt“. Das passt zu Tierexperimenten, in denen weniger Wachstumssignal mit längerer Lebensspanne zusammengeht.
- „Günstigere Cholesterin‑Verpacker“: Ein Eiweiß namens CETP hilft, Cholesterin‑Teilchen im Blut zu sortieren. Eine bestimmte CETP‑Variante sorgt dafür, dass diese Teilchen tendenziell größer und weniger klebrig sind. Das geht oft mit einem günstigeren Blutfettmuster und langsamerem Abbau des Gedächtnisses einher – also potenziell Schutz für Herz und Gehirn.
- „Besserer Fett‑ und Zuckerstoffwechsel, längere Schutzkappen“: Gene wie APOC3 oder ADIPOQ beeinflussen, wie gut wir Blutfette und Zucker verarbeiten. Bestimmte Varianten senken die Blutfette (Triglyzeride) und verbessern die Insulinwirkung. Und „Telomere“ – das sind die Schutzkappen an den Enden unserer Erbinformation, vergleichbar mit den Plastikkappen am Ende eines Schnürsenkels – bleiben bei manchen besonders Langlebigen länger erhalten. In Summe ergibt sich das Bild vieler kleiner Vorteile, die zusammen wie ein genetischer Schutzschirm wirken.
Für dich übersetzt heißt das: Auch wenn du deine Gene nicht ändern kannst, zeigen die Mechanismen der Hundertjährigen, wo wir mit Lebensstil – und eines Tages mit sehr gezielten Medikamenten – sinnvoll ansetzen können. Genau dieses „Mechanismen‑Scouting“ ist das Markenzeichen von Nir Barzilai.
TAME: Metformin als Türöffner – was geplant ist und warum es zählt
Mit TAME (Targeting Aging with Metformin) soll ein mehrjähriger, multizentrischer, placebokontrollierter Nachweis gelingen: Kann ein etabliertes, günstiges Medikament den Beginn mehrerer altersassoziierter Erkrankungen verzögern – also Altern als gemeinsamen Nenner adressieren?
Geplant sind Tausende Teilnehmende im Alter von etwa 65–80 Jahren an einer Reihe von Zentren in den USA. Die zentrale Idee: Nicht ein einzelner Endpunkt, sondern ein kombinierter „Zeit‑bis‑zum‑Ereignis“ über mehrere typische Alterserkrankungen. Dass die Behörde in die Planung eingebunden war, macht TAME auch regulatorisch besonders spannend.
Stand heute (November 2025): TAME wird weiter als „Proof‑of‑Principle‑Projekt“ kommuniziert. Rekrutierung und Finanzierung waren wiederholt Hürden, was an der Größe des Projekts und der neuartigen Zielsetzung liegt. Für uns als Community ist wichtig: TAME ist weniger eine „Metformin‑Fan‑Studie“, sondern vor allem der Versuch, Altern als valide medizinische Zielgröße zu etablieren. Genau dafür setzt sich Nir Barzilai seit Jahren ein.
Was spricht biologisch für Metformin?
- Jahrzehntelange Sicherheit in der Diabetestherapie, niedrige Kosten.
- Plausible Mechanismen, die mit den „Hallmarks of Aging“ zusammenhängen (z. B. Aktivierung zellulärer Energiesensoren, entzündungshemmende Effekte).
- Beobachtungsdaten, in denen Typ‑2‑Diabetiker auf Metformin teilweise länger lebten als vergleichbare Menschen ohne Metformin – kein Beweis, aber ein Signal, das in TAME geprüft werden soll. Deshalb sieht Nir Barzilai Metformin als ideales Werkzeug, um das Konzept klinisch und regulatorisch zu testen.
Wichtig: Metformin ist ein Medikament gegen Diabetes. Ein Einsatz „vorsorglich“ gehört in die Hände eines Arztes. Das betont Nir Barzilai regelmäßig.
„Beeinträchtigt Metformin nicht meine Trainingsfortschritte?“
In einer Studie mit gesunden älteren Erwachsenen schnitten Teilnehmende, die Metformin nahmen, beim Muskelaufbau während eines 14‑wöchigen Kraftprogramms etwas schlechter ab als die Placebo‑Gruppe. Die Botschaft ist nüchtern: Wer aktiv Muskulatur aufbauen will, sollte die mögliche Wechselwirkung im Blick behalten und ärztlich besprechen, ob, wann und für wen Metformin sinnvoll ist.
„Und was ist mit Vitamin B12?“
Langzeit‑Metformin kann das Risiko für einen Vitamin‑B12‑Mangel erhöhen. Gerade bei Älteren kann ein Mangel neurologische Beschwerden fördern. Konsequenz: Bei Metformin regelmäßig B12 prüfen lassen und bei Bedarf supplementieren – wiederum in Absprache mit der Ärztin oder dem Arzt. Das entspricht genau dem vorsichtigen, indikationsbezogenen Stil von Nir Barzilai.
So positioniert sich Nir Barzilai persönlich
In Interviews betont Nir Barzilai, dass Training und Ernährung die Basis bleiben. Metformin sei vor allem für Ältere interessant; Jüngere, die Muskulatur aufbauen wollen, profitieren kaum – Stichwort: Anpassungen, die auch über Wachstumssignale laufen. Nir Barzilai hat offen gesagt, dass er selbst Metformin auf ärztliche Verordnung genommen hat, als er prädiabetisch war. Das ist ein gutes Beispiel für „Indikation vor Ideologie“.
Mehr als Gene: Was du von Nir Barzilais Hundertjährigen sofort übernehmen kannst
- Bewegung schlägt fast alles: Nir Barzilai nennt körperliche Aktivität den stärksten Lifestyle‑Hebel für fast jedes Organ – vom Herz bis zum Gehirn. Schon regelmäßiges zügiges Gehen wirkt; Krafttraining stabilisiert Funktion und Autonomie.
- Gewicht im Griff: Zu viel Körperfett beschleunigt Alterungsprozesse. Nicht extrem, sondern nachhaltig – mediterran inspiriert, proteinadäquat, eher pflanzenbetont. Das entspricht auch den Mustern vieler besonders vitaler Hochbetagter.
- Sozial, Schlaf, Stress: In den Familien sehr langlebiger Menschen fällt auf, dass sie überdurchschnittlich aktiv, eingebunden und mental gefordert bleiben – kein Pillenersatz, aber ein Multiplikator für die Gesundheitsspanne. Nir Barzilai verweist darauf immer wieder.
Buch von Nir Barzilai: „Age Later – Health Span, Life Span, and the New Science of Longevity“
„Age Later“* ist Nir Barzilais populärwissenschaftliche Quintessenz aus Jahrzehnten Forschung. Verständlich und zugleich wissenschaftlich geerdet führt Nir Barzilai durch:
- Die Welt der „SuperAger“: Menschen, die mit 90+ ohne Herzkrankheit, Krebs, Diabetes und deutlichen kognitiven Abbau durchs Leben gehen – und was sie gemeinsam haben.
- Genetik als Wegweiser: Wie Varianten in Wachstumssignalen, Cholesterintransport und Stoffwechsel Mechanismen offenbaren, die wir mit Lebensstil oder Medikamenten imitieren können.
- Gerotherapeutika jetzt: Warum ausgerechnet Metformin als erster „Türöffner“ taugt, ohne die Bedeutung von Bewegung, Ernährung und Schlaf zu schmälern.
- Praxisnah: Kapitel zu Laborwerten, Risikoprofilen und wie man persönliche Prioritäten setzt, um die eigene Gesundheitsspanne sichtbar zu verlängern.
Wenn du nur ein Longevity‑Buch lesen willst, das seriös, motivierend und nah an der Forschung ist, triffst du mit „Age Later“ von Nir Barzilai eine sehr gute Wahl.
Hat Nir Barzilai eine eigene Website oder einen Blog?
Eine klassische persönliche Blog‑Seite betreibt Nir Barzilai nicht. Seine „Homebase“ sind die Profil‑ und Institutsseiten des Albert Einstein College of Medicine (inklusive Institute for Aging Research, Glenn Center und Nathan Shock Center), sowie AFAR, wo Nir Barzilai Initiativen wie FAST (Finding Aging biomarkers by Searching existing Trials) vorantreibt – ein Konsortium, das Biomarker des Alterns systematisch validieren will.
Unternehmerische Brücken: Von der Entdeckung zur Anwendung
Nir Barzilai ist Mitgründer von CohBar, einer Biotech‑Firma, die sogenannte mitochondrial‑abgeleitete Peptide (MDPs) für Alterskrankheiten erforscht. Außerdem berät Nir Barzilai Unternehmen im Longevity‑Umfeld – beides Ausdruck seines Ansatzes, Erkenntnisse zügig in Entwicklungspipelines zu überführen. Für dich als Leser wichtig: Das ist kein Aufruf zu „Schnellschuss‑Supplements“, sondern der Versuch, neue Wirkstoffklassen rational zu entwickeln.
Kontroversen und offene Fragen – realistisch bleiben
- Finanzierung und Design von TAME: Der wissenschaftliche Wert ist unstrittig, die praktische Umsetzung bleibt anspruchsvoll. Geduld ist gefragt – und Transparenz, wie Nir Barzilai sie über AFAR regelmäßig liefert.
- Übertragbarkeit genetischer Befunde: Einige Varianten wurden in bestimmten Bevölkerungsgruppen identifiziert; die Mechanismen wirken wahrscheinlich breit, die Häufigkeiten nicht unbedingt. Das spricht für „Mechanismus imitieren“ statt „Gene romantisieren“. Genau so argumentiert Nir Barzilai.
- Metformin ist kein Lifestyle‑Ersatz: Potenzielle Nachteile (B12‑Mangel, mögliche Interaktion mit Krafttraining) sind real. Das macht die ärztliche Indikationsstellung und Begleitung so wichtig – eine Linie, die Nir Barzilai konsequent kommuniziert.
Was genau propagiert Nir Barzilai als Routine?
- Täglich bewegen, zwei bis drei Krafttrainings pro Woche und regelmäßige Ausdauer – Intensität passend zu deinem Alltag.
- Gewicht stabil im gesunden Bereich halten; metabolische Flexibilität anstreben.
- Schlaf konsistent priorisieren; soziale und kognitive Aktivität pflegen.
- Medikamente nicht „vorauseilend“, sondern indikationsbezogen. Metformin erst ab höherem Alter und mit medizinischer Begründung; Trainingseinheiten so planen, dass eventuelle Interferenzen minimiert werden.
- Laborwerte im Blick behalten (Glukose‑Stoffwechsel, Blutfette, Entzündungszeichen) und – falls Metformin verordnet ist – Vitamin‑B12 langfristig monitoren. Genau diese nüchterne Priorisierung unterscheidet Nir Barzilai von reißerischen Anti‑Aging‑Narrativen.
Ein 6‑Schritte‑Plan „nach Barzilai“ für deinen Alltag
- VO2‑Max und Kraft systematisch verbessern: Zwei kurze, intensive Ausdauereinheiten plus zwei Krafttrainings pro Woche sind ein starkes Fundament – dein Arzt hilft, das individuell anzupassen. Falls Metformin im Spiel ist, Timing und Dosis ärztlich klären.
- Ernährung mediterran‑inspiriert: Viel Gemüse, Hülsenfrüchte, Olivenöl, Fisch, Beeren; ausreichend Protein für Muskelerhalt.
- Gewicht managen, aber entspannt: Stabil im Normalbereich bleiben ist wichtiger als kurzfristige Diät‑Experimente.
- Schlaf, Stress, Gemeinschaft: Die unscheinbaren Langlebigkeits‑Multiplikatoren.
- Laborbasierte Prävention: HbA1c, Nüchternglukose, Lipidprofil, Blutdruck; bei Metformin zusätzlich B12 im Blick.
- Verstehe die Mechanismen: Grob zu wissen, was Wachstumssignale, Cholesterintransport oder Entzündung bedeuten, hilft dir, Hypes zu erkennen und Prioritäten richtig zu setzen. Hierfür ist „Age Later“ von Nir Barzilai ein hervorragender Einstieg.
Was ist mit Rapamycin, Resveratrol, NMN & Co.?
Nir Barzilai diskutiert diese Substanzen wissenschaftlich, aber er „verkündet“ sie nicht als Routineempfehlung für Gesunde. Besonders NMN/NR und Rapamycin sind Gegenstand laufender Forschung mit offenen Fragen zu Dosis, Timing, Zielgruppe und Langzeitfolgen. Für die Praxis von heute gilt bei Nir Barzilai: Erst Lebensstil, dann – bei klarer Indikation – Medikamente, möglichst innerhalb klinischer Studien. Metformin bleibt für Nir Barzilai das realistische „Proof‑of‑Concept“‑Werkzeug, nicht die alleinige Lösung.
Exkurs: Berberin als „natürlicher Metformin‑Ersatz“? Ein Faktencheck
Die Frage kommt häufig: Wenn Nir Barzilai Metformin als Türöffner‑Medikament für Alternsmechanismen diskutiert – ist Berberin dann nicht das „natürliche“ Pendant? Die kurze Antwort: Berberin ist spannend, aber kein vollwertiger Metformin‑Ersatz. Hier die wichtigsten Punkte, damit du das Thema solide einschätzen kannst:
- Was Berberin kann: In aktuellen Übersichtsarbeiten und Meta‑Analysen senkte Berberin bei Menschen mit Stoffwechselstörungen messbar den Nüchternblutzucker und den Langzeitblutzucker (HbA1c). Typische Effektstärken liegen bei etwa 0,5–0,6 Prozentpunkten HbA1c‑Reduktion – das ist klinisch relevant, aber im Mittel kleiner und uneinheitlicher dokumentiert als bei Metformin.
- Gewichtsverlust: Die Datenlage zur Gewichtsreduktion ist verhalten. Mehrere Meta‑Analysen zeigen entweder keinen signifikanten Effekt auf das Körpergewicht oder nur kleine Veränderungen bei Taillenmaßen. Kurz: Berberin ist nicht „Nature’s Ozempic“ – für diese Schlagzeile gibt es keine solide Evidenz.
- Wirkprinzip – wo es Überschneidungen gibt: Metformin und Berberin greifen beide an zellulären Energiesensoren an. Metformin aktiviert die AMP‑aktivierte Proteinkinase (AMPK) als Kernmechanismus; auch für Berberin ist eine indirekte AMPK‑Aktivierung beschrieben. Das erklärt, warum sich einige Stoffwechseleffekte ähneln – es heißt aber nicht, dass beide Mittel austauschbar sind.
- Dosierung in Studien: Häufig untersucht wurden 500 mg Berberin (meist als HCl‑Form) jeweils drei Mal täglich mit Mahlzeiten. In einer frühen, vielzitierten Studie war die Blutzucker‑Senkung vergleichbar mit Metformin – allerdings handelte es sich um ein kleines, drei Monate dauerndes Pilot‑Setting. Große, langfristige, placebokontrollierte Studien fehlen.
- Sicherheit und Nebenwirkungen: Berberin gilt bei Erwachsenen insgesamt als gut verträglich; häufig sind jedoch Magen‑Darm‑Beschwerden wie Durchfall, Verstopfung, Übelkeit. Wichtig: Schwangere, Stillende und Neugeborene sollten Berberin meiden – es kann Neugeborenen‑Gelbsucht verschlimmern.
- Wechselwirkungen – bitte ernst nehmen: Berberin kann Transporter wie P‑Glykoprotein und Enzyme wie CYP3A4 hemmen. Dadurch sind erhöhte Wirkspiegel anderer Medikamente möglich, etwa bei Statinen, bestimmten Immunsuppressiva oder neuen oralen Antikoagulanzien – solche Kombinationen gehören zwingend in ärztliche Hände.
- Einordnung im „Stil von Nir Barzilai“: Nir Barzilai setzt auf evidenzstarke Pfeiler: Lebensstil first, dann – wenn indiziert – Medikamente mit solider Datenbasis. Berberin kann bei Prädiabetes oder leicht erhöhten Blutzuckerwerten in Einzelfällen als begleitende Option diskutiert werden, ersetzt aber keine ärztliche Therapieentscheidung.
Praxis‑Check: Wenn du Berberin trotzdem testest (nur nach ärztlichem Okay)
- Ziel klar definieren: Geht es um Nüchternzucker, HbA1c oder Triglyzeride? Nur so erkennst du, ob ein Effekt eintritt; die robustesten Effekte wurden bei Nüchternzucker und HbA1c beobachtet.
- Dosis und Timing: Häufig 500 mg Berberin HCl, zwei‑ bis drei‑mal täglich zu Mahlzeiten; langsam eindosieren, um Magen‑Darm‑Nebenwirkungen zu reduzieren.
- Interaktionen prüfen: Wenn du Statine, neue orale Antikoagulanzien, Antiarrhythmika, Immunsuppressiva, starke CYP3A4‑Substrate oder P‑gp‑Substrate einnimmst, ärztlich abklären und gegebenenfalls ganz lassen.
- Nicht in Schwangerschaft/Stillzeit, niemals bei Neugeborenen einsetzen.
- Qualität: Produkte mit Drittanbieter‑Siegeln wählen; Finger weg von „No‑Name‑Schnäppchen“.
Unterm Strich: Berberin wirkt – aber anders verlässlich als Metformin. Wenn Nir Barzilai über Metformin spricht, dann, weil es eine starke, regulierte Evidenzbasis gibt und weil Studien wie TAME den Weg für Alterns‑Indikationen bahnen könnten. Berberin ist ein interessantes Werkzeug, kein Ersatz für eine fundierte Therapie – und schon gar nicht die Abkürzung an Sport, Schlaf und Ernährung vorbei.
Ein Blick hinter die Kulissen: Biomarker‑Pionierarbeit
Damit gerotherapeutische Studien schneller werden, arbeitet Nir Barzilai an der Standardisierung und Validierung von Alterns‑Biomarkern mit. Das FAST‑Programm von AFAR verknüpft Proben aus bereits laufenden Studien mit modernen Messmethoden, um robuste, klinisch brauchbare Marker zu finden.
Für Patientinnen und Patienten heißt das: Künftig lässt sich der „biologische“ Effekt einer Intervention früher und präziser messen – ein Turbo für evidenzbasierte Prävention. Das treibt Nir Barzilai ganz besonders an.
Fazit: Was du dir von Nir Barzilai mitnehmen solltest
Nir Barzilai steht für einen seltenen Mix aus Demut und Tatkraft. Demut, weil genetische Befunde komplex sind und Altern kein Schalter, sondern ein Netzwerk ist. Tatkraft, weil Nir Barzilai beharrlich den nächsten logischen Schritt geht: Erst verstehen (Hundertjährige), dann messen (Biomarker) und schließlich eingreifen (TAME). Für dich bedeutet das:
- Setze konsequent auf die Big Rocks – Bewegung, Kraft, Ernährung, Schlaf, soziale Einbindung.
- Prüfe Medikamente nicht aus Neugier, sondern aus guter Indikation heraus.
- Lies „Age Later“ von Nir Barzilai, wenn du das Feld kompakt, ehrlich und motivierend kennenlernen möchtest.
Wenn TAME und parallele Initiativen Erfolg haben, könnte die Medizin in einigen Jahren nicht mehr nur Bluthochdruck, Diabetes oder Demenz einzeln behandeln, sondern die Alterungsbiologie selbst. Genau diese Vision treibt Nir Barzilai an – und macht Nir Barzilai so wichtig für jeden, der gesund alt werden will.
Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel informiert und inspiriert – er ersetzt keine medizinische Beratung. Sprich mit deinem Arzt, bevor du Medikamente, Supplements oder Trainingspläne änderst, insbesondere wenn du bestehende Vorerkrankungen hast oder Medikamente wie Metformin einnimmst. Die Hinweise zu Berberin, Metformin und ihren potenziellen Interaktionen basieren auf klinischen Studien, Übersichtsarbeiten und Sicherheitsbewertungen.
Weiterführende Informationen und Studien
- Albert Einstein College of Medicine – Profil von Nir Barzilai: Offizielle Profilseite mit Funktionen, Forschungsschwerpunkten und Projekten.
- LonGenity / Longevity Genes Project (Einstein): Projektseite zur Kohorte von Hundertjährigen und deren Nachkommen, Zielen und bisherigen Befunden.
- PNAS 2008 – IGF‑1‑Rezeptor‑Varianten bei Hundertjährigen: Originalarbeit, die funktionsrelevante IGF‑1R‑Mutationen (v. a. bei Frauen) mit außergewöhnlicher Langlebigkeit verknüpft.
- JAMA 2003 – CETP‑I405V und Langlebigkeit: Studie, die größere HDL/LDL‑Partikel und den CETP‑Genotyp (V405) mit gesundem Altern assoziiert.
- JAMA 2010 – CETP‑Variante und Demenzrisiko: Prospektive Kohortenstudie, in der CETP‑V405 Valin‑Homozygotie mit langsamerem Gedächtnisverlust und geringerem Demenzrisiko verbunden ist.
- AFAR – TAME Trial (Targeting Aging with Metformin): Offizielle Infoseite zum geplanten Multizenter‑Trial, Design, Ziele und Status.
- NPR 2024 – Metformin und Altern: Populärwissenschaftlicher Überblick zum TAME‑Trial, Hintergründen und offenen Fragen.
- Aging Cell 2019 – MASTERS‑Trial (Metformin × Krafttraining): Randomisierte Studie zeigt, dass Metformin den Muskelaufbau unter progressivem Krafttraining bei älteren Erwachsenen dämpfen kann.
- Endocrine Reviews 2021 – Mechanismen von Metformin: Übersichtsarbeit zu zellulären und molekularen Wirkwegen (u. a. Glukoneogenese, AMPK, Redox‑Effekte).
- Aging Cell 2018 – Gewebeantworten auf Metformin: Crossover‑Studie bei Älteren: Metformin moduliert Genexpression in Muskel und Fettgewebe in alternsrelevanten Pfaden.
- Meta‑Analyse 2022 – Metformin und Vitamin‑B12‑Mangel: Beobachtungsdaten zeigen erhöhtes Risiko für B12‑Defizit unter Metformin; Dauer und Dosis als Treiber.
- AFAR – FAST‑Initiative (Biomarker des Alterns): Konsortium zur Validierung von Alterns‑Biomarkern über bestehende Studien hinweg.
- Buch: Age Later (St. Martin’s Press): Verlagsseite zu Nir Barzilais „Age Later“ mit Kurzbeschreibung und Formaten.
- Meta‑Analyse 2022 – Berberin bei Typ‑2‑Diabetes: 37 RCTs; Berberin senkt im Mittel Nüchternzucker und HbA1c moderat, Sicherheitsprofil überwiegend günstig.
- Umbrella‑Meta‑Analyse 2023 – Berberin: Glykämie & Entzündung: Auswertung mehrerer Meta‑Analysen; konsistente, aber moderate Effekte auf Blutzucker und Entzündungsmarker.
- NCCIH (NIH) – Faktenblatt Berberin: Neutraler Überblick zu Wirksamkeit, Nebenwirkungen, Interaktionen und Sicherheitshinweisen.
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