Du stehst im Supermarkt vor dem Getränkeregal und greifst bewusst zur Glasflasche. Glas gilt als sauber, hochwertig und frei von Plastik. PET wirkt dagegen wie die weniger gesunde Alternative. Genau so denken viele Menschen – und genau deshalb sorgte eine französische Untersuchung für erstaunte Gesichter: In Glasflaschen fanden Forschende im Durchschnitt mehr Mikroplastik als in Plastikflaschen, Dosen oder Getränkekartons.
Klingt paradox, ist aber gut erklärbar. Und die gute Nachricht gleich vorweg: Du musst jetzt weder Dein Mineralwasser verbannen noch in Panik verfallen. Entscheidend ist, die Ergebnisse richtig einzuordnen. Denn bei Mikroplastik liegen zwischen „nachgewiesen“ und „nachweislich gesundheitsschädlich“ noch Welten.
In diesem Artikel erfährst Du, warum ausgerechnet Glasflaschen auffällig waren, worin sich Einweg- und Mehrwegflaschen unterscheiden, warum verschiedene Studien zu völlig unterschiedlichen Zahlen kommen und was die Wissenschaft heute über mögliche Gesundheitsrisiken weiß. Außerdem bekommst Du praktische Tipps, mit denen Du Deine persönliche Belastung ohne großen Aufwand senken kannst – ganz ohne auf Genuss und Lebensqualität zu verzichten.
Inhaltsübersicht
Was ist Mikroplastik überhaupt?
Als Mikroplastik bezeichnen Forschende feste Kunststoffpartikel, die kleiner als fünf Millimeter sind. Das ist zunächst eine sehr grobe Kategorie: Ein Partikel von vier Millimetern ist mit bloßem Auge noch erkennbar, während ein Teilchen von einem Mikrometer etwa 50-mal dünner ist als ein menschliches Haar.
Noch kleiner ist sogenanntes Nanoplastik. Diese Partikel messen weniger als einen Mikrometer, also weniger als ein Tausendstel Millimeter. Sie lassen sich nur mit speziellen Verfahren nachweisen und verhalten sich im Körper möglicherweise anders als größere Teilchen. Wenn in Medien von Zehntausenden oder gar Hunderttausenden Partikeln pro Liter die Rede ist, geht es meist um diese extrem kleinen Teilchen.
Die winzigen Fragmente können aus ganz unterschiedlichen Kunststoffen bestehen, etwa aus PET, Polyethylen oder Polypropylen. Sie entstehen zum Beispiel durch Abrieb, wenn zwei Materialien aneinanderreiben, durch Alterung von Kunststoff oder bei industriellen Prozessen. Genau dieser Abrieb spielt bei Wasserflaschen eine Hauptrolle – allerdings oft an einer Stelle, an die kaum jemand denkt.
Die französische Studie, die alle überraschte
Im Jahr 2025 veröffentlichte die französische Behörde für Lebensmittelsicherheit ANSES eine viel beachtete Untersuchung. Ein Forschungsteam hatte Wasser, Cola, Eistee, Limonade, Bier und Wein aus unterschiedlichen Verpackungen analysiert: Glas, Plastik, Dosen und Getränkekartons.
Das Ergebnis: In nahezu allen Getränken fanden sich Partikel. Besonders hoch war die Belastung in Glasflaschen. Bei Cola, Limonade, Eistee und Bier aus Glas lag der Durchschnitt bei ungefähr 100 Partikeln pro Liter. In Plastikflaschen und Dosen waren es je nach Getränk fünf- bis fünfzigmal weniger.
Beim Wasser fielen die Unterschiede deutlich kleiner aus. Glasflaschen enthielten im Schnitt 4,5 Partikel pro Liter, Plastikflaschen und Kartons etwa 1,6 Partikel pro Liter. Auch Wein war vergleichsweise gering belastet. Die Schlagzeile „Glas ist schlimmer als Plastik“ greift deshalb zu kurz. Sie stimmt vor allem für Getränke in Glasflaschen mit Metallverschluss – und dafür gibt es eine überraschend einfache Erklärung.
Der Kronkorken ist der wahrscheinlichste Übeltäter
Die Forschenden stellten fest, dass viele der gefundenen Teilchen dieselbe Farbe und chemische Zusammensetzung hatten wie der Lack auf der Außenseite der Metallkapseln, mit denen Glasflaschen verschlossen werden. Gemeint sind Kronkorken und ähnliche Metallverschlüsse.
Unter dem Mikroskop zeigten diese Verschlüsse feine Kratzer. Vermutlich entstehen sie, wenn Tausende Kapseln vor der Abfüllung in großen Behältern gelagert und transportiert werden. Sie reiben aneinander, winzige Lackfragmente lösen sich und können beim Verschließen in das Getränk gelangen.
Um diese Vermutung zu prüfen, füllte das Team gereinigte Flaschen mit gefiltertem Wasser und verschloss sie auf drei Arten: mit unbehandelten Kapseln, mit Kapseln, die zuvor mit Druckluft abgeblasen wurden, und mit Kapseln, die zusätzlich gespült wurden. Ohne Behandlung fanden sich durchschnittlich 287 Partikel pro Liter. Nach dem Abblasen waren es noch 106, nach Abblasen und Spülen 87 Partikel pro Liter.
Das ist aus zwei Gründen eine gute Nachricht. Erstens stammt ein großer Teil der Belastung offenbar nicht aus der Glasflasche selbst. Zweitens ließe sich die Menge durch einfache Maßnahmen in der Produktion deutlich senken – etwa durch schonendere Lagerung der Verschlüsse, andere Lacke oder eine Reinigung unmittelbar vor dem Abfüllen.
Auch bei Plastikflaschen spielt der Verschluss eine wichtige Rolle. Beim Auf- und Zuschrauben reibt das Gewinde des Deckels am Flaschenhals. Dabei können sich Partikel lösen. In einer Untersuchung stieg die Zahl in Mehrwegflaschen nach einmaligem Öffnen von etwa 131 Partikeln pro Liter auf rund 242 Partikel nach elfmaligem Öffnen und Schließen. Der größte Teil des Abriebs entstand bereits beim ersten Öffnen.
Für Dich heißt das: Nicht nur das Flaschenmaterial zählt, sondern das gesamte System aus Flasche, Deckel, Dichtung, Abfüllung und Reinigung.
Was deutsche Untersuchungen zeigen
Das französische Ergebnis ist kein Einzelfall. Bereits 2018 untersuchten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Deutschland Mineralwasser aus Einweg- und Mehrwegflaschen, Glasflaschen und Getränkekartons.
In dieser Studie fanden sich in Mehrweg-PET-Flaschen durchschnittlich 118 Partikel pro Liter. Einweg-PET kam dagegen nur auf etwa 14 Partikel pro Liter. Glasflaschen lagen mit rund 50 Partikeln pro Liter dazwischen, Getränkekartons mit ungefähr 11 Partikeln am unteren Ende.
Eine andere Arbeitsgruppe analysierte noch kleinere Teilchen ab etwa einem Mikrometer. Dadurch stiegen die absoluten Zahlen stark an: Im Durchschnitt wurden rund 2.649 Partikel pro Liter in Einweg-PET, etwa 4.900 in Mehrweg-PET und ungefähr 6.292 in Glasflaschen gemessen. Mehr als 90 Prozent der Teilchen waren kleiner als fünf Mikrometer und wären mit älteren Methoden gar nicht entdeckt worden.
Widersprechen sich diese Studien? Nicht unbedingt. Sie untersuchten unterschiedliche Marken, Flaschentypen und Partikelgrößen. Entscheidend ist vor allem die Nachweisgrenze: Wer nur Teilchen ab 20 Mikrometern zählt, findet naturgemäß viel weniger als ein Labor, das bis zu einem Mikrometer oder sogar in den Nanobereich vordringt.
Hinzu kommen enorme Schwankungen zwischen einzelnen Flaschen. Alter, Transport, Reinigung, Verschluss und sogar die jeweilige Produktionscharge können einen Unterschied machen. Eine einzelne Zahl beschreibt daher nie „die“ Belastung aller Glas- oder PET-Flaschen.
Einweg oder Mehrweg: ein wichtiger Unterschied
Viele Menschen setzen PET grundsätzlich mit Einweg gleich. Tatsächlich gibt es zwei sehr unterschiedliche Systeme:
- Einweg-PET: dünnwandig, wird nach einmaliger Nutzung recycelt, in Studien häufig mit vergleichsweise wenigen Partikeln
- Mehrweg-PET: stabiler, wird viele Male gereinigt und neu befüllt, oft höhere Werte durch Alterung, Reinigung und häufigeres Öffnen
- Mehrweg-Glas: sehr stabil, wird ebenfalls viele Male gereinigt und neu befüllt, Werte schwanken stark, Verschluss und Etiketten können eine Rolle spielen
- Einweg-Glas: wird nach der Nutzung recycelt, bisher nur wenige vergleichbare Daten
- Getränkekarton: innen mit Kunststoff beschichtet, in mehreren Untersuchungen eher niedrige Werte
Mehrweg ist aus Umweltsicht weiterhin sinnvoll, weil Flaschen mehrfach genutzt werden und dadurch Ressourcen sparen. Die bisherigen Daten bedeuten nicht, dass Du Mehrweg grundsätzlich meiden solltest. Sie zeigen nur, dass „öfter verwendet“ auch „öfter beansprucht“ bedeutet.
Warum Mehrwegflaschen oft mehr Partikel enthalten
Eine Mehrwegflasche führt ein arbeitsreiches Leben. Sie wird geleert, gesammelt, transportiert, bei hohen Temperaturen gereinigt, geprüft, neu befüllt und wieder verschlossen. Das kann sie dutzende Male durchlaufen.
Dabei wirken Hitze, Reinigungsmittel, Bürsten und mechanische Belastung auf Material und Gewinde ein. Mit zunehmendem Alter können feine Kratzer und raue Stellen entstehen. Auch Etiketten und ihre Druckfarben wurden in Untersuchungen als mögliche Quelle diskutiert, insbesondere wenn Partikel während des Waschprozesses in bereits gereinigte Flaschen gelangen.
Bei Kunststoffflaschen kommt der Deckel hinzu. Er besteht meist aus einem anderen Material als die Flasche und wird bei jedem Öffnen bewegt. Je häufiger das geschieht, desto mehr Abrieb ist möglich. Lässt Du eine Einwegflasche dagegen nur kurz im heißen Auto stehen oder benutzt sie wochenlang als Trinkflasche weiter, behandelst Du sie anders, als sie vorgesehen ist. Hitze, Sonnenlicht, Zusammendrücken und ständiges Öffnen können die Materialalterung beschleunigen.
Wichtig ist auch der Unterschied zwischen stillem und sprudelndem Wasser. Kohlensäure erhöht den Innendruck. Ob und wie stark das die Freisetzung von Partikeln beeinflusst, wird noch untersucht. Es gibt Hinweise darauf, dass Druck und mechanische Spannung eine Rolle spielen können, doch auch hier sind die Daten noch nicht eindeutig.
240.000 Partikel pro Liter? So ist diese Zahl einzuordnen
Besonders große Aufmerksamkeit erhielt 2024 eine Studie der Columbia University. Mit einer neuen Lasertechnik konnten die Forschenden Partikel bis etwa 100 Nanometer messen. In US-amerikanischem Flaschenwasser fanden sie durchschnittlich rund 240.000 Plastikfragmente pro Liter, etwa 90 Prozent davon im Nanobereich.
Das klingt dramatisch, ist aber nicht direkt mit den älteren Zahlen vergleichbar. Wer ein feineres Netz benutzt, fängt mehr und kleinere Fische. Die neue Methode zeigte vor allem, dass frühere Untersuchungen den kleinsten Bereich schlicht nicht erfassen konnten.
Gleichzeitig sagt die Partikelzahl allein wenig über die tatsächliche Masse oder ein mögliches Risiko aus. 240.000 Nanopartikel wiegen zusammen noch immer extrem wenig. Außerdem ist noch unklar, wie viele dieser Teilchen der Körper überhaupt aufnimmt und was sie dort gegebenenfalls tun.
Seriös wäre es daher weder, die Zahl zu verharmlosen, noch sie als Beweis für eine konkrete Gesundheitsgefahr zu interpretieren. Sie ist ein wichtiger Hinweis darauf, dass wir bei der Erforschung winziger Kunststoffteilchen noch am Anfang stehen.
Und wie sieht es mit Leitungswasser aus?
Auch Leitungswasser ist nicht automatisch völlig partikelfrei. Teilchen können aus der Umwelt, aus Leitungen, Armaturen oder aus der Luft in ein Glas gelangen. Internationale Untersuchungen finden im Trinkwasser jedoch häufig weniger und kleinere Fragmente als in Flaschenwasser.
In Deutschland unterliegt Trinkwasser strengen Kontrollen und gilt als sehr gut überwacht. Aus gesundheitlicher Sicht ist es für die meisten Menschen eine ausgezeichnete Wahl. Wenn Du zu Hause eine wiederverwendbare Flasche nutzen möchtest, sind Edelstahl oder Glas gut geeignet. Achte bei Glas darauf, dass auch Deckel und Dichtung hochwertig, unbeschädigt und leicht zu reinigen sind.
Einen hundertprozentigen Schutz gibt es allerdings nicht – weder durch Glas noch durch Edelstahl noch durch einen Wasserfilter. Manche Filter können Partikel oberhalb einer bestimmten Größe zurückhalten. Für Nanoplastik und für mögliche chemische Zusatzstoffe ist die Datenlage dagegen deutlich schwieriger. Lass Dich deshalb bitte nicht von teuren Geräten mit großen Versprechen unter Druck setzen. Entscheidend ist eine sinnvolle Gesamtstrategie.
Wie gefährlich ist Mikroplastik für Deine Gesundheit?
Diese Frage beschäftigt auch das Bundesinstitut für Risikobewertung, kurz BfR. Seine Einschätzung vom Dezember 2025 fällt nüchtern aus: Nach derzeitigem Wissensstand ist ein eher geringes Gesundheitsrisiko wahrscheinlich. Die meisten aufgenommenen Partikel werden nach Einschätzung der Fachleute nicht vom Körper aufgenommen, sondern über den Darm wieder ausgeschieden.
Das BfR betont aber gleichzeitig, dass wichtige Fragen offen sind. Mikroplastik wurde inzwischen in verschiedenen menschlichen Geweben und Körperflüssigkeiten nachgewiesen, unter anderem in Blut, Lunge, Plazenta und Gefäßablagerungen. Ein Nachweis ist jedoch noch kein Beweis dafür, dass die Partikel eine Krankheit verursachen.
Ein Beispiel ist eine italienische Studie aus dem Jahr 2024. Bei Menschen, bei denen Kunststofffragmente in Ablagerungen der Halsschlagader gefunden wurden, traten später häufiger Herzinfarkte, Schlaganfälle und Todesfälle auf. Das ist ein ernst zu nehmender Zusammenhang. Er beweist aber keine Ursache-Wirkung-Beziehung. Möglich ist auch, dass Menschen mit höherer Belastung aus anderen Gründen ein höheres Risiko hatten – etwa durch Luftverschmutzung, Beruf, Ernährung oder Lebensumstände.
Ähnlich vorsichtig interpretieren Fachleute Labor- und Tierversuche. Unter bestimmten Bedingungen können sehr kleine Partikel Zellbarrieren überwinden und Entzündungsreaktionen, oxidativen Stress oder Veränderungen des Immunsystems auslösen. Allerdings werden in vielen Experimenten Konzentrationen eingesetzt, die deutlich über der vermuteten Alltagsbelastung liegen. Außerdem verhalten sich künstlich hergestellte Testpartikel nicht unbedingt wie reale Teilchen aus einer Wasserflasche, die aus unterschiedlichen Kunststoffen, Formen und Oberflächen bestehen.
Nach Einschätzung der europäischen Lebensmittelsicherheitsbehörde EFSA können grundsätzlich nur Partikel unter etwa 150 Mikrometern die Darmwand passieren. Eine weitere Verteilung über den Blutkreislauf gilt vor allem für Teilchen unter 1,5 Mikrometern als möglich. Die tatsächliche Aufnahme scheint jedoch sehr gering zu sein. Für größere Partikel geht man davon aus, dass sie den Körper weitgehend unverändert wieder verlassen.
Wichtig ist außerdem: Nicht der Kunststoff allein steht im Verdacht. Kunststoffe können Zusatzstoffe enthalten, und an ihrer Oberfläche können sich andere Substanzen anlagern. Ob diese unter realistischen Bedingungen in relevanten Mengen freigesetzt werden, ist noch nicht ausreichend geklärt.
Die ehrliche Antwort lautet deshalb: Es gibt derzeit keinen gesicherten Beweis dafür, dass die in Wasserflaschen gefundenen Mengen beim Menschen Krankheiten verursachen. Umgekehrt ist auch nicht bewiesen, dass eine lebenslange Aufnahme winziger Partikel völlig folgenlos bleibt. „Kein Beleg für einen Schaden“ bedeutet eben nicht automatisch „Beweis für absolute Sicherheit“.
Was bedeutet das für Deine Langlebigkeit?
Gerade wenn Du Dich für Longevity interessierst, wirst Du oft mit einzelnen Risiken konfrontiert: heute ein Lebensmittel, morgen ein Zusatzstoff, übermorgen ein Alltagsmaterial. Das kann verunsichern.
Hilfreich ist eine Rangfolge. Für ein langes, gesundes Leben ist wissenschaftlich sehr gut belegt, dass regelmäßige Bewegung, ausreichend Schlaf, Nichtrauchen, ein normales Körpergewicht, ausgewogene Ernährung und die Kontrolle von Blutdruck, Blutzucker und Blutfetten einen großen Unterschied machen. Ob die Wahl zwischen einer bestimmten Glas- oder PET-Flasche Deine Lebenserwartung messbar beeinflusst, ist dagegen unbekannt.
Das heißt nicht, dass Du das Thema ignorieren solltest. Es bedeutet, es an den richtigen Platz zu setzen: Vorsorge ja, Panik nein. Wenn Du mit einfachen Mitteln weniger Partikel aufnehmen kannst, ist das vernünftig – besonders, wenn diese Maßnahmen keine Nachteile haben. Du musst aber nicht jeden Lebensbereich perfekt optimieren, um gesund älter zu werden.
Interessant ist auch, dass Kunststoff nicht nur über Wasser in den Körper gelangt. Nahrung, Staub in Innenräumen und die Atemluft spielen vermutlich eine erhebliche Rolle. Wer ausschließlich bei Wasserflaschen ansetzt, betrachtet deshalb nur einen kleinen Ausschnitt der Gesamtexposition.
7 praktische Tipps für Deinen Alltag
- Trinke zu Hause häufiger Leitungswasser: In Deutschland ist es streng kontrolliert, günstig und spart Transportwege. Fülle es in einen sauberen Glas- oder Edelstahlbehälter.
- Nutze Einwegflaschen wirklich nur einmal: Sie sind nicht dafür gemacht, wochenlang wieder befüllt, gequetscht und gewaschen zu werden. Das gilt besonders dann, wenn sie sichtbar verformt oder verkratzt sind.
- Lass Wasserflaschen nicht in Hitze stehen: Ein heißes Auto, direkte Sonne oder ein warmer Heizungsraum sind keine guten Lagerorte. Kühl und dunkel ist besser – für Material und Geschmack.
- Ersetze stark abgenutzte Sportflaschen: Wenn Gewinde, Dichtung oder Innenfläche rau und beschädigt sind, lohnt sich ein Austausch. Glatte, gut reinigbare Materialien sind im Alltag die bessere Wahl.
- Öffne Flaschen ohne Gewalt: Sehr häufiges Auf- und Zuschrauben erhöht den Abrieb am Verschluss. Das ist kein Grund, eine Flasche in einem Zug leeren zu müssen, aber ein Argument gegen ständiges Spielen am Deckel und gegen das Weiterverwenden alter Verschlüsse.
- Bevorzuge frische Ware und achte auf unbeschädigte Flaschen: Stark verkratzte Mehrwegflaschen oder beschädigte Deckel kannst Du im Handel stehen lassen beziehungsweise das Pfand trotzdem zurückgeben, statt sie noch lange selbst zu verwenden.
- Bleibe gelassen und setze Prioritäten: Wenn Du Deine Belastung durch Mikroplastik senken möchtest, beginne mit den einfachen Schritten oben. Investiere Deine Energie ansonsten in die Faktoren, deren Nutzen für Herz, Gehirn, Muskeln und Stoffwechsel wirklich gut belegt ist: Bewegung, Krafttraining, Schlaf und eine überwiegend unverarbeitete Ernährung.
Fazit: Glas ist nicht „schlecht“ – aber auch nicht automatisch partikelfrei
Die überraschenden Messwerte haben eine nachvollziehbare Ursache. Bei Glasflaschen stammt ein großer Teil der gefundenen Teilchen offenbar vom Lack der Metallverschlüsse, nicht vom Glas selbst. Bei PET spielt der Schraubdeckel eine wichtige Rolle. Mehrwegflaschen können durch Reinigung, Transport und häufige Nutzung stärker beansprucht werden als Einwegflaschen, die deshalb in mehreren Studien vergleichsweise niedrige Werte zeigten.
Für Deine Gesundheit ist die wichtigste Botschaft die Einordnung: Die Forschung findet winzige Kunststoffpartikel fast überall, auch im menschlichen Körper. Dass diese Mengen konkrete Krankheiten verursachen, ist bislang nicht bewiesen. Das BfR hält das Risiko aktuell für eher gering, sieht aber besonders bei Nanoplastik noch Forschungsbedarf.
Du darfst also weiterhin Wasser aus Glasflaschen trinken – genauso wie aus PET, wenn es in einer bestimmten Situation praktischer ist. Noch einfacher ist zu Hause meist Leitungswasser aus einer sauberen Glas-, Edelstahl- oder hochwertigen Trinkflasche. So reduzierst Du Deine Aufnahme von Mikroplastik auf pragmatische Weise, ohne Dir den Alltag unnötig schwer zu machen.
Gesund alt zu werden ist kein Projekt der Perfektion. Es ist die Summe vieler vernünftiger Entscheidungen, die Du Tag für Tag triffst.
Weiterführende Informationen und Quellen
Wenn Du Dich tiefer in das Thema einlesen möchtest, findest Du hier die im Artikel erwähnten wissenschaftlichen Studien sowie Einschätzungen von Behörden und seriösen Medien.
Wissenschaftliche Studien
- ANSES-Studie 2025 zu Getränken in Frankreich: Die Originalstudie zeigt, warum Glasflaschen mit Metallverschluss in den Messungen stärker belastet waren als Plastikflaschen, Dosen und Getränkekartons.
- Schymanski et al. 2018 zu Mineralwasser in Deutschland: Diese Untersuchung vergleicht Einweg-PET, Mehrweg-PET, Glasflaschen und Getränkekartons und fand die höchsten Werte in Mehrwegflaschen.
- Oßmann et al. 2018 zu besonders kleinen Partikeln: Die Studie erfasste Partikel ab einem Mikrometer und erklärt, warum dadurch deutlich höhere Partikelzahlen pro Liter gemessen wurden.
- Studie zum Abrieb durch Schraubverschlüsse: Die Arbeit belegt, dass wiederholtes Öffnen und Schließen von Mehrwegflaschen die Zahl der Partikel durch Abrieb am Deckel erhöhen kann.
- Columbia-Studie 2024 zu Nanoplastik in Flaschenwasser: Mit einer neuen Lasertechnik wiesen die Forschenden durchschnittlich rund 240.000 überwiegend nanoskalige Plastikfragmente pro Liter nach.
- NEJM-Studie 2024 zu Partikeln in Gefäßablagerungen: Die Beobachtungsstudie fand einen Zusammenhang zwischen Plastikpartikeln in Ablagerungen der Halsschlagader und späteren Herz-Kreislauf-Ereignissen, beweist aber keine Ursache-Wirkung-Beziehung.
Behörden und wissenschaftliche Einrichtungen
- ANSES: Zusammenfassung zur Glasflaschen-Studie: Die französische Lebensmittelsicherheitsbehörde erklärt verständlich, warum der Lack der Metallkapseln als wahrscheinlichste Quelle gilt und wie sich die Belastung senken ließe.
- Bundesinstitut für Risikobewertung: Fragen und Antworten: Das BfR fasst Fakten, Forschungslücken und seine aktuelle Einschätzung zusammen, wonach ein eher geringes Gesundheitsrisiko wahrscheinlich ist.
- EFSA: Mikro- und Nanoplastik in Lebensmitteln: Die europäische Behörde erläutert, warum bisher keine vollständige Risikobewertung möglich ist und welche Wissenslücken noch bestehen.
- WHO: Mikroplastik im Trinkwasser: Die Weltgesundheitsorganisation ordnet die verfügbaren Hinweise zu Trinkwasser ein und stuft das Risiko auf Basis der damaligen Datenlage als niedrig ein.
- Umweltbundesamt: Mikroplastik und menschliche Gesundheit: Das UBA erklärt Aufnahmewege, mögliche Wirkmechanismen und warum sich die tatsächliche Belastung des Menschen bisher nicht zuverlässig abschätzen lässt.
- Deutsches Ärzteblatt: Evidenzlage zu gesundheitlichen Auswirkungen: Die Übersichtsarbeit vergleicht den wissenschaftlichen Kenntnisstand mit der öffentlichen Wahrnehmung und betont, dass ein kausaler Zusammenhang mit Krankheiten bisher nicht belegt ist.
Berichte aus Medien und Verbraucherinformation
- DER SPIEGEL: Mehr Mikroplastik in Glasflaschen nachgewiesen: Der Bericht fasst die französische Studie verständlich zusammen und erklärt die Rolle der Kronkorken und ihrer Lackierung.
- Columbia University: Hunderttausende Nanoplastikpartikel im Flaschenwasser: Die Universität erklärt in populärwissenschaftlicher Form, wie die neue Nachweistechnik funktioniert und warum die Zahlen deutlich höher ausfallen als in älteren Studien.
- Verbraucherzentrale NRW: Trinkflaschen richtig auswählen: Die Verbraucherzentrale gibt praktische Hinweise zu Glas, Edelstahl und Kunststoff sowie zur Reinigung und zum Austausch abgenutzter Trinkflaschen.
